Freundschaften über Grenzen hinweg
Nach der Ankunft am Samstagvormittag wurden die Gäste von ihren Austauschpartnern und den beiden Lehrkräften, die den Austausch auf deutscher Seite organisiert hatten - Volker Arnold vom Wieland-Gymnasium und Johanna Schmid vom Pestalozzi-Gymnasium - begrüßt. Ein paar Kennenlernspiele sorgten schnell für erste Gespräche und gute Laune. Anschließend gehörte das Wochenende den Gastfamilien und die Jugendlichen konnten ihre neue Umgebung auf persönliche Weise kennenlernen und erste gemeinsame Erfahrungen sammeln.
Am Montag tauchten die polnischen Gäste zunächst in den deutschen Schulalltag ein und besuchten gemeinsam mit ihren Austauschpartnern den Unterricht. Nach einer Begrüßung durch die Schulleiter der beiden Biberacher Gymnasien erfuhren die Gäste Wissenswertes über die Gastschulen; deutsche Schülerinnen und Schüler übernahmen dabei die Rolle von Guides und erklärten ihren Gästen bei einer kleinen Führung die Besonderheiten ihrer Schulen.
Dass Verständigung auch ohne viele Worte funktioniert, zeigte sich anschließend auf dem Schulhof: Mit Straßenmalkreide entstanden Freundschaftssymbole, farbenfrohe Bilder und viele Gute-Laune-Slogans. Nachmittags ging es ins Biberacher Rathaus, wo Josepha Brugger die Jugendlichen im Namen der Stadt Biberach im Ratssaal begrüßte. Sie stellte die Stadt vor und erläuterte, welche Angebote und Möglichkeiten Biberach jungen Menschen bietet. Die finanzielle Unterstützung der Stadt für den Austausch ist dabei ein wichtiges Zeichen der Verbundenheit mit der polnischen Partnerstadt Schweidnitz.
Am Dienstag führte ein Tagesausflug nach München. Im Münchner NS-Dokumentationszentrum setzten sich die Jugendlichen mit der Geschichte des Nationalsozialismus auseinander. Einige Teilnehmer besuchten zusätzlich die Weiße-Rose-Denkstätte an der Ludwig-Maximilians-Universität, die an den studentischen Widerstand gegen die nationalsozialistische Diktatur erinnert. Am Mittwoch ging es an den Bodensee. Von Meersburg aus setzte die Gruppe mit der Fähre über und besuchte die Insel Mainau, wo die Jugendlichen bei schönem Wetter die Blumenpracht und die besondere Atmosphäre der Insel genießen konnten. Nachmittags stand eine Stadtrallye durch die Konstanzer Innenstadt auf dem Programm, bei der die Gruppe auf spielerische Weise die Geschichte und Gegenwart der Stadt kennen lernen konnte. Am Donnerstag war Teamgeist gefragt – und ein wenig Mut. Denn auf dem Programm stand eine kleine Paddeltour auf der Donau und bevor es losging, waren nicht alle begeistert von der Vorstellung, in die wackeligen Viererkanus einzusteigen. Doch die Donau war nicht tief, alle trugen Schwimmwesten und so wich die anfängliche Unsicherheit bald dem Vergnügen.
Am Donnerstagabend wurde eine große Abschlussparty veranstaltet – mit reichhaltigem Buffet, Unterhaltungsprogramm und viel Spaß auf der Disco-Tanzfläche. Ein herzlicher Dank gilt der Narrenzunft Biberach, die mit ihren Räumlichkeiten diesen gelungenen Abend ermöglichte. Am Freitagmorgen blickten die Jugendlichen gemeinsam auf die vergangenen Tage zurück und es zeigte sich, wie viel die Teilnehmer in dieser Woche erlebt und wie viele neue Eindrücke sie gewonnen hatten. Danach hieß es Abschied nehmen. Doch die Heimreise der Gäste war mit einer letzten besonderen Aktion verbunden: An einer Biberacher Lagerhalle wurden in den Kofferraum des polnischen Busses zunächst noch einige Hilfsgüter für die Ukraine eingeladen. Hintergrund ist die Zusammenarbeit der Organisation „Niezlomni sercem“ in Schweidnitz mit dem „StäPaBiberach“, dem Biberacher Städtepartnerschaftsverein, die seit Kriegsbeginn gemeinsam dafür sorgen, dass Biberacher Sachspenden und Hilfsgüter aller Art über Schweidnitz inukrainische Kriegsgebiete transportiert werden. Die polnischen Schülerinnen und Schüler freuten sich, dass ihre Rückfahrt damit auch noch zu einem Hilfsgütertransport wurde. Sie konnten selbst mit anpacken und so einen kleinen Beitrag zu einer wichtigen humanitären Aufgabe leisten.
Am Ende der Woche hatten sich die Austauschteilnehmer aus Deutschland und Polen kennen gelernt, gemeinsam Neues entdeckt, diskutiert, gelacht und manche anfängliche Unsicherheit überwunden. Der Gegenbesuch in Schweidnitz ist für das kommende Schuljahr geplant. Bis dahin bleiben viele schöne Erinnerungen – an farbenfrohe Schulhof-Gemälde, an Donau-Kanus und die Blumen der Mainau, an Witze und wilde Tänze beim Abschlussabend und nicht zuletzt an Menschen, die innerhalb weniger Tage zu Freunden geworden sind.
Text: Volker Arnold; Fotos: Volker Arnold, Wiktor Makochan, Johanna Schmid, Emily Ackermann, Nick Bitterwolf.
