Warum Schach begeistert – unser Turniertag in Friedrichshafen

Früh am Morgen machte sich unser sechsköpfiges Schachteam auf den Weg nach Friedrichshafen. Austragungsort der diesjährigen Schulschachmeisterschaft war erneut das Karl-Maybach-Gymnasium. Die Motivation war groß, schließlich hatten wir in den vergangenen Monaten intensiv trainiert und wollten zeigen, was in uns steckt.

Gespielt wurde gegen drei starke Schulen aus der Region: das Carl-Laemmle-Gymnasium Laupheim, das Montfort-Gymnasium Tettnang und das Wieland-Gymnasium Biberach. Jede Begegnung bestand aus vier Partien, Hin- und Rückrunde, insgesamt also sechs Mannschaftskämpfe mit jeweils vier Brettern. Dabei hatte jeder Spieler eine feste Rangordnung im Team und trat gegen den jeweils gleichplatzierten Spieler der anderen Schule an. Ein Auftakt, der Hoffnung macht

Die erste Runde, ein Revierderby gegen das Wieland-Gymnasium, begann vielversprechend. Nach vier hart umkämpften Partien stand es 2:2. Dieses Unentschieden fühlte sich wie ein Sieg an, da das Wieland-Gymnasium im letzten Jahr den ersten Platz des Turniers belegt hatte. Plötzlich war sie da, die Hoffnung: Vielleicht geht heute mehr, als viele erwartet hatten?

Doch in den folgenden Begegnungen zeigte sich die große Erfahrung unserer Gegner. Laupheim und Tettnang spielten äußerst routiniert, nutzten kleine Ungenauigkeiten konsequent aus und entschieden die Mannschaftskämpfe für sich. Auch in der Rückrunde mussten wir uns zunächst geschlagen geben. Spätestens jetzt war klar: Das Niveau dieses Turniers war enorm hoch. Eine Partie, die alles hat. Doch dann kam sie: die Rückrunde gegen das Wieland-Gymnasium. Und mit ihr eine Partie, die eindrucksvoll zeigte, warum Schach so faszinierend ist. Ein Leistungsträger unseres Teams, Fabian Böttger, hatte sich im Laufe der Partie eine sehr gute Stellung erarbeitet. Seine Figuren standen aktiv, der gegnerische König wirkte zunehmend bedrängt. Zug um Zug hatte sich der Druck erhöht, die gegnerischen Felder wurden enger, die Drohungen konkreter.

Dann schien der entscheidende Moment gekommen zu sein: Mit seiner Dame setzte Fabian zu einem scheinbar gewinnbringenden Schlag an, in der Überzeugung, nun schachmatt zu setzen und die Partie somit für sich zu entscheiden. Doch statt des erhofften Mattbilds folgte die überraschende Wendung. Der Gegner musste die angreifende Dame mit seinem Turm schlagen, es gab keinen anderen legalen Zug.

Plötzlich war die Partie völlig verändert. Die Dame unseres Spielers und damit die wertvollste Figur im Spiel war geschlagen, während die gegnerische Dame weiterhin im Spiel blieb. Allerdings hatte auch sie eine ganz konkrete Aufgabe: Sie musste auf einer bestimmten Diagonale stehen bleiben, um ein entscheidendes Feld zu decken. Würde sie diese Linie verlassen, wäre der Weg zum Schachmatt frei.

Zu unserem Glück erkannte der Spieler des Wieland-Gymnasiums die fundamentale Aufgabe der Dame nicht und witterte stattdessen seine eigene Chance. Mit Turm und Dame verfügte er nun über eine objektive Gewinnstellung. Fabians König stand nahezu schutzlos mitten im Feuer der gegnerischen Schwerfiguren. Eigentlich war es nur noch eine Frage der Technik, das Spiel in den nächsten zwei Zügen zu entscheiden.

Die einzige Hoffnung bestand darin, dass der Gegner in seinem Angriffsdrang die entscheidende Kleinigkeit übersah. Und genau das geschah. Um selbst im nächsten Zug Schachmatt zu setzen, zog er seine Dame von der schützenden Diagonale weg, ohne zu bemerken, dass er damit das zuvor gedeckte Feld aufgab. Geistesgegenwärtig nutzte Fabian die Chance und entschied die Partie mit einem heldenhaften letzten Turmzug für sich.

Leider reichte Fabians Sieg nicht, um die verlorenen Partien gegen die anderen Schulen wieder auszugleichen. Am Ende stand für das Pestalozzi-Gymnasium der 4. Platz. Der Turniersieg ging verdient an das Carl-Laemmle-Gymnasium Laupheim, das sich damit für das Württembergische Schulschach-Finale am 13. März in Willsbach qualifizierte.

Natürlich war die Enttäuschung spürbar, wir hatten uns viel vorgenommen und intensiv trainiert. Doch gleichzeitig wurde deutlich, wie groß die Entwicklung unserer Mannschaft im Vergleich zum Vorjahr war. Viele Partien waren deutlich enger, strategisch durchdachter und kämpferischer geführt.

Vor allem aber hatten alle Beteiligten großen Spaß. Ein Turnier wie dieses bedeutet nicht nur Punkte und Platzierungen, sondern wertvolle Erfahrung, Teamgeist und die Erkenntnis, dass Schach alles andere ist als „blindes Figurenziehen“. Es ist ein Denksport, bei dem jede Entscheidung zählt. Und manchmal ein einziger Zug Geschichte schreibt.

Matthias Hillebrand (Leiter Schach-AG)


Rückblick